HDGDL, Babo und Chabo

Ja, Jugendliche reden so. Und Jugendliche schreiben so
In Chats, auf dem Smartphone. LOL, YOLO, kp, mit Babo und dissen und gönnen und läuft. Wer jetzt nichts versteht, hat vermutlich keine Jugendlichen zu Hause, was nicht weiter schlimm ist. All das kann man nachlesen in diversen Listen im Internet. Wobei gleich am Anfang angemerkt sei: Was jetzt gerade gilt, gilt gleich vielleicht schon nicht mehr. Was ein Jugendlicher im Süden des Landes sagt, versteht der im Norden möglicherweise ganz anders. Eventuell gilt das sogar für den Norden und den Süden einer einzigen Stadt, will heißen: Jugendsprache ist flexibel, und das macht dem Umgang mit ihr nicht gerade leichter.

Die große Frage ist aber auch gar nicht, ob alle Menschen Jugendsprache immer verstehen müssen, vor allem Menschen jenseits der 20. Nein, müssen sie nicht. Oder ob sie sie gar sprechen sollten. Nein, sollen sie ganz sicher nicht. Die Frage ist eher: Können und sollen wir Nicht-mehr-Jugendlichen Jugendsprache dort einsetzen, wo wir Jugendliche direkt erreichen wollen? In Werbung und Marketing? Ja, das sollen wir, finde ich. Und zwar dann, wenn wir es gut und richtig machen – und wenn es zum Produkt oder zum Angebot passt. Wenn es authentisch ist.

Natürlich ist genau das der Knackpunkt

Da glaubte mal ein CSU-Kommunalpolitiker, immerhin erst 23 Jahre alt, ganz besonders zu punkten: „Chabos wissen, wer der Babo ist“ schrieb er unter sein Wahlplakat. Wobei dieser Spruch durchaus bekannt und verbreitet ist, er stammt aus einem Rap-Liedtext, mit Babo ist der Boss gemeint. „Chabo“ kommt wohl aus dem Manischen, einem Dialekt unter anderem aus dem Raum Gießen und Marburg, und bedeutet „Junge“. So weit okay. Nur: Kann so ein Spruch überhaupt authentisch sein, wenn der Absender CSU heißt? Und vor allem, wenn das großformatige Foto daneben einen sehr brav und sehr jung und sehr nett aussehenden Jungen im Konfirmanden-Outfit zeigt? Ist das ein Babo? Als Satire zumindest wäre es gelungen – ansonsten gab es sehr viel Spott.

Korrekte Verwendung
Dann wäre da die korrekte Verwendung der Jugendsprache. Wobei „korrekt“ nicht unbedingt etwas mit der allgemeinen Auffassung von Grammatik und Satzbau zu tun hat. „Gönn dir!“ ist korrekt und vollständig und bedeutet soviel wie „Viel Spaß dabei!“, ein darauf folgendes Akkusativ-Objekt verlangt die Jugendsprache ausdrücklich nicht. „Läuft bei dir“ im Sinne von „cool“ geht auch nur genau so, keinesfalls zu verwechseln mit einen allgemeinen „Es läuft aber gut bei dir.“ „Läuft bei dir“ wird im Übrigen weder konjugiert noch in verschiedene Zeiten gesetzt. „Lief bei ihnen“ ist jedenfalls eher unüblich.

LOL und YOLO
Und auch mit Abkürzungen – absolute Lieblinge in der Jugendsprache – ist das so eine Sache. LOL und YOLO haben es mittlerweile fast schon in die Mitte der Gesellschaft geschafft, kp für „kein Plan“ im Sinne von „keine Ahnung“ wird nicht nur in Chats geschrieben, sondern auch beim Sprechen genutzt. Eine eigentlich gute Idee hatte jüngst ein Autovermieter, der die Gunst der GDL-Streiks bei der Bahn nutzte, um in großformatigen Anzeigen „HDGDL, GDL“ zu schreiben, sonst nichts, nur verziert mit einem großen Herz. Dass damit eine junge, weitgehend führerscheinlose Zielgruppe angesprochen wird, war den Machern sicherlich klar, aber die Kenntnis der Jugendsprache endet ja nicht unbedingt mit 18. HDGDL übrigens steht für „Hab dich ganz doll lieb“, passt also bestens in diesem Zusammenhang.

Gute Werbung mit Jugendsprache ist möglich
Soviel ist klar – man muss aber eben ganz genau hinsehen und sollte jemanden beauftragen, der sich wirklich damit auskennt, eine junge Agentur mit jungen Mitarbeitern. Die zudem die Zielgruppe ganz direkt danach befragt, ob eine Aussage so funktioniert, wie sie gemeint ist. Ob sie grammatisch richtig ist, richtig im Sinne der Jugendsprache. Und später nochmal nachfragen schadet auch nicht, Jugendsprache verändert sich schließlich ständig.

Mittlerweile nämlich, berichten mir Menschen aus der jungen Zielgruppe, ist die Autovermieter-Werbung gar nicht mehr so eindeutig: HDGDL steht jetzt auch für „Habe dich gedisst, du Looser“.
Und das war sicherlich nicht im Sinne der Erfinder.

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